Interview mit Prof. Dr. Albrecht Schmidt, Universität Stuttgart

Prof. Dr. Albrecht Schmidt leitet die Arbeitsgruppe Mensch-Computer-Interaktion an der Universität Stuttgart.

Portrait Abrecht Schmidt
© BMBF - Michael Lüder

Was fasziniert Sie an dem Forschungsfeld der Mensch-Technik-Interaktion besonders?

Die Digitalisierung bringt rasante Veränderungen. Mit unserer Forschung in der Mensch-Technik-Interaktion können wir diesen Veränderungsprozess positiv und menschgerecht mitgestalten und neue Möglichkeiten für Interaktion und Kommunikation in verschiedensten Lebensbereichen eröffnen.

Woran forschen/arbeiten Sie gerade im Bereich der Mensch-Technik-Interaktion?

Unser Ziel ist es, Technologien zu erforschen, welche die kognitiven und perzeptiven Fähigkeiten von Menschen erweitern. Wir untersuchen dabei in verschiedenen Lebens- und Arbeitsbereichen Aufgaben und Tätigkeiten, die Menschen besondere Schwierigkeiten bereiten. Mit diesem Wissen erfinden wir Technologien, welche Menschen bei diesen Aufgaben unterstützen und validieren die Effektivität dieser Systeme. Konkret sind das Assistenzsysteme, die am Arbeitsplatz die Komplexität von Montagevorgängen reduzieren, Technologien zur Gedächtnisunterstützung im Alltag und Brillen, welche die visuelle Wahrnehmung spektral und temporal erweitern. Darüber hinaus untersuchen wir, wie die Informationsdarstellung auf individuelle Bedürfnisse und Fähigkeiten automatisch dynamisch angepasst werden kann.   

Welche Innovationen der Mensch-Technik-Interaktion nutzen Sie persönlich?

Ich persönlich nutze eine Vielzahl von Innovationen der Mensch-Technik-Interaktion. Neue Kommunikationstechnologien, wie sie in Smartphones verfügbar sind, geben mir die Möglichkeit, mit Familie und Freunden engen Kontakt zu halten, auch wenn ich unterwegs bin. Ich nutze solche Kommunikationstechnologien, von Videokonferenz bis Textnachrichten, ganz konkret, um kurz mal bei Hausaufgaben helfen zu können.
Beim Schreiben von Text ist für mich die Unterstützung durch im Hintergrund ablaufende Rechtschreib- und Grammatikkontrolle selbstverständlich. Die Beispiele, in denen die Mensch-Technik-Interaktion Dinge verbessert und nutzbar gemacht hat, sind vielfältig. Navigation, online einkaufen, Musik hören, fotografieren, Informationssuche oder Autofahren sind nur einige Beispiele.

Welche sozialen und technologischen Innovationen braucht unsere Gesellschaft im Jahr 2050?

Aktuelle technologische Entwicklungen in der Informationstechnik schaffen ungeahnte Möglichkeiten in der Erfassung und Bereitstellung von Wissen. Jeder Einzelne hat inzwischen die Möglichkeit, in einfachster Weise zum archivierten Weltwissen beizutragen, sei es in moderierten Foren (z. B. Erweiterung eines Beitrags über die Lieblingssportart um ein Detail) oder in multimedialer Form (z. B. Videoanleitung über das Schneiden von Rosen). Aus meiner Sicht ist es zentral, dass wir es als globale Gesellschaft schaffen, dieses Weltwissen, inklusive vielfältiger praktischer Fähigkeiten, für alle verfügbar zu machen und somit jedem Menschen die Möglichkeit zur Bildung und Innovation zu geben. Darüber hinaus ist es wichtig, eine Atmosphäre der Neugier zu schaffen, damit Menschen das Wissen nutzen.

Welche Herausforderungen verbinden Sie mit der Entwicklung neuer Technologien im Bereich der Mensch-Technik-Interaktion?

Eine zentrale Herausforderung ist zu verstehen, was die wesentlichen Probleme unserer Gesellschaft im digitalen Zeitalter sind. Forschung im Bereich der Mensch-Technik-Interaktion ist so vielfältig (wie auch in den meisten anderen Wissenschaftsbereichen), dass es leicht ist, sich mit Randproblemen oder Detailfragen zu beschäftigen. Es ist aber aus meiner Sicht zentral, die großen Fragen anzugehen: Kommunikation (zwischen Einzelnen, von Institutionen zum Einzelnen, zwischen Gruppen), Transformation von Wissen in Innovation (im technischen, sozialen und gesellschaftlichen Bereich) und die Verbesserung der Fähigkeiten des einzelnen Menschen durch Technologie (motorisch und kognitiv). Wenn wir es schaffen, die Fragen zu lösen, dann ergeben sich viele weitere Lösungen von selbst.

Welche Chancen verbinden Sie mit der Entwicklung neuer Technologien im Bereich der Mensch-Technik-Interaktion?

Ich bin überzeugt, dass wir durch die Entwicklung neuer Technologien unser (Zusammen)Leben verbessern können. Wenn wir in der Technologieentwicklung den Fokus auf den Menschen legen, können wir Systeme entwickeln, die uns in die Lage versetzen, neue und große Aufgaben anzugehen. Ich sehe spannende Entwicklungen in der kognitiven Unterstützung menschlicher Fähigkeiten. Betrachten Sie folgenden Vergleich: Wie hat die Entwicklung des Baggers die Fähigkeit eines Menschen beim Bauen verändert, wenn man es mit der Zeit von Spitzhacke und Schaufel vergleicht? Unsere heutigen digitalen Werkzeuge (z. B. Google-Suche oder Mobiltelefon) sind nur der Anfang – sozusagen die Schaufel – und ich erwarte in den nächsten Jahren, dass wir als Menschen viele neue Fähigkeiten durch bedienbare Technologie erhalten.

Vervollständigen Sie den folgenden Satz:

„Technik muss... Menschen unterstützen, damit sie ihre Ziele erreichen und sie ermutigen sich neue Ziele zu stecken!“