Interview mit Jan Lingenbrinck: Mit steigendem Nutzen wird die Akzeptanz für Robotik in der Gesellschaft wachsen

Rund 120 Robotikexpertinnen und -experten diskutierten im November 2019 in Berlin, wie Roboter zu einem positiven Alltag beitragen könnten. Projektpartner EDEKA Food Tech Projects aus der Industrie berichtet aus der Praxissicht.

© Edeka Digital/Jenna Dallwitz

Was entwickeln Sie in Ihrem Forschungsprojekt?

Mit "I-RobEka" entwickeln wir einen robotischen Einkaufsassistenten, der Kundinnen und Kunden während des Einkaufs bei EDEKA unterstützt. Benutzerfreundliche, intuitive Interaktion, das Einkaufserlebnis und der Kundennutzen stehen hierbei im Vordergrund.

Was ist in 2 Sätzen die Innovation – für den Bürger?

Kunden erhalten einen intelligenten Helfer, um sich barrierefrei in einem EDEKA-Markt bewegen zu können. Der Roboter führt den Kunden zu gewünschten Produkten und kann diese aus dem Regal entnehmen. Es soll zusätzlich möglich sein, einen Teil des Einkaufs durch den Roboter erledigen zu lassen.

Weshalb ist die Sicht des Handels in Forschungsprojekten der Robotik so wichtig?

Wir kennen die alltäglichen Herausforderungen unserer Kunden und Mitarbeiter am besten und übersetzen diese in greifbare Anwendungsfälle für Technologie. Durch den Fokus auf spezifische Kundenprobleme und eine iterative Arbeitsweise kann eine hohe Akzeptanz durch den Nutzer sichergestellt werden. Kommerzielle Lösungen können sich am Markt nur behaupten, wenn sie ein bestehendes Kundenproblem lösen.

Transfer zum Bürger: Wo stehen wir in Deutschland?

Der Handel hat in den letzten Jahren viele Anwendungsgebiete für Robotik geschaffen. Diese finden sich jedoch meist in Fertigungs- oder Logistikprozessen und sind für den Endverbraucher nicht zugänglich. Das Einkaufserlebnis im Einzelhandel ist in Deutschland weitaus weniger durch Technologie geprägt als im internationalen Ausland.

Blick in die Zukunft: Wie viel Robotik haben wir in 20 Jahren und wo wird sie eingesetzt?

Es ist mit einem vermehrten Einsatz von Robotern in der Lebensmittelproduktion und -logistik zu rechnen. Auch unter dem Gesichtspunkt des demographischen Wandels sind Roboter eine mögliche Antwort auf Mobilitätsherausforderungen, denen sich z.B. ältere Kunden bereits heute aussetzen.

Was ist und was wird der Erfolgsfaktor in Zukunft sein, damit die Robotik in unseren Alltag findet?

Im Sinne der nutzerzentrierten Produktentwicklung werden sich nur Lösungen etablieren können, die ein validiertes Problem dauerhaft aus der Welt schaffen. Mit steigendem Nutzen wird auch die Akzeptanz für Robotik in der Gesellschaft wachsen. Faktoren wie Sicherheit und Verträglichkeit sind die notwendige Basis eines erfolgreichen Einsatzes. Langfristig werden Benutzerfreundlichkeit, Kundennutzen und nicht zuletzt Wirtschaftlichkeit dafür sorgen können, dass Robotik Teil unserer alltäglichen Realität wird.

Hintergrund
Am 28. und 29. November 2019 trafen sich rund 120 Robotikexpertinnen und -experten bei einem Vernetzungstreffen in Berlin, um zu diskutieren, wie Roboter zu einem positiven Alltag beitragen könnten. Gemeinsam forschen sie in verschiedenen Verbundprojekten im Rahmen der BMBF Bekanntmachungsreihe „Roboter für Assistenzfunktionen“ (RA). Themenschwerpunkt ist Interaktionsfähigkeit. Weitere Projektbeteiligte aus der Industrie wie Matthias Krinke (pi4_robotics GmbH ) und Christoph Jähne (Franka Emika GmbH ) geben ebenfalls Auskunft über ihre Projekte aus Praxissicht.