Interview mit Prof. Dr. Ulrich Rückert, Universität Bielefeld

Prof. Dr. Ulrich Rückert, Leiter der Arbeitsgruppe Kognitronik und Sensorik an der Universität Bielefeld forscht zu ressourceneffizienten Realisierungen kognitiver Interaktionstechnologien.

Prof. Dr. Ulrich Rückert© Michael Lüder - BMBF

Was fasziniert Sie an dem Forschungsfeld der Mensch-Technik-Interaktion besonders?

Am Forschungsfeld Mensch-Technik-Interaktion fasziniert mich besonders die Möglichkeit, die Lebensqualität für Menschen aller Generationen individuell und selbstbestimmt verbessern zu können.

Woran forschen/arbeiten Sie gerade im Bereich der Mensch-Technik-Interaktion?

Wir erforschen ressourceneffiziente Realisierungen kognitiver Interaktionstechnologien, die auf natürliche Weise möglichst viele Sinne des Menschen ansprechen. Die Schwerpunkte unserer Arbeiten liegen auf der Analyse der theoretischen Leistungsfähigkeit biologischer Informationsverarbeitungsprinzipien und auf der integrationsgerechten Umsetzung neuartiger Interaktionsprinzipien. Die technische Umsetzung natürlicher kognitiver Wirkprinzipien stimuliert innovative Produkte mit neuen Eigenschaften und erheblich gesteigerter Benutzerfreundlichkeit. Diese Produkte sollen in der Lage sein, sich eigenständig an neue Umweltbedingungen und Anforderungen optimal anzupassen.

Welche Innovationen der Mensch-Technik-Interaktion nutzen Sie persönlich?

Persönlich nutze ich technische Hilfsmittel im privaten sowie im beruflichen Umfeld. Ich nutze neue Entwicklungen im Bereich der Heimautomatisierung zur Erhöhung der Energieeffizienz und Sicherheit. Zudem experimentiere ich privat mit mobilen Assistenzsystemen (Auto, Saugroboter, mobile Transportsysteme, Miniroboter). Beim Freizeitsport verwende ich mobile Geräte zur Aufzeichnung und Analyse von Vitalparametern. Am Arbeitsplatz nutze ich moderne Kommunikationsmedien für die Unterstützung von Lehre, Forschung und Verwaltung. Im Rahmen meiner Forschung beschäftige ich mich mit kognitiven Robotern und smarten Wohnumgebungen.

Welche sozialen und technologischen Innovationen braucht unsere Gesellschaft im Jahr 2050?

Gesellschaftlich müssen Lösungen für den Umgang mit persönlichen Daten gefunden werden, die die Kontrolle über die eigenen Daten und damit die Privatsphäre sichern. Nicht der Mensch muss gläsern werden, sondern die Verwendung seiner Daten. Ein Urheberschutz persönlicher Daten muss diskutiert werden. Technologisch muss die Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit technischer Systeme über den gesamten Lebenszyklus verbessert werden. Nicht nur bei der Herstellung der Systeme (Industrie 4.0) und in der Nutzungsphase muss die Mensch-Technik-Interaktion optimiert werden, sondern auch bei deren Wiederverwertung (Recycling).

Welche Herausforderungen verbinden Sie mit der Entwicklung neuer Technologien im Bereich der Mensch-Technik-Interaktion?

Die größten Herausforderungen in der Entwicklung neuer Technologien im Bereich der Mensch-Technik-Interaktion sehe ich in der intuitiven Bedienbarkeit und in der Ressourceneffizienz zur Erhöhung der Nachhaltigkeit technischer Systeme. Eine für den Menschen natürliche Interaktion erfordert die Einbeziehung möglichst vieler seiner Sinne (multimodale Interaktionstechniken), die situationsabhängige Filterung der vielfältigen Sinneseindrücke (Aufmerksamkeitssteuerung), Bewegungsintelligenz und die stetige personalisierte Anpassung der Technik (lebenslanges Lernen). Dabei stellt sich die Frage, wie vernetzte technische Systeme ihr Wissen mit dem Menschen teilen. Die Ressourceneffizienz der Assistenzsysteme muss verbessert werden, da sie im Vergleich zum Menschen deutlich schlechter ist.

Welche Chancen verbinden Sie mit der Entwicklung neuer Technologien im Bereich der Mensch-Technik-Interaktion?

Die Entwicklung neuer Technologien im Bereich Mensch-Technik-Interaktion ermöglicht die nachhaltige Erhöhung der Lebensqualität für alle Bevölkerungsschichten sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld. Dies führt zu mehr Zufriedenheit in der Gesellschaft und damit zur Stabilisierung unserer Demokratie.

Vervollständigen Sie den folgenden Satz:

„Technik muss …intuitiv bedienbar und unaufdringlich unser menschliches Miteinander vertrauenswürdig unterstützen.“